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Eurovision Song Contest Athen 2006 Erfahrungsbericht

Posted by DIDI on 28. Mai 2008 in Fun & Spam |


Kultsendung mit Aufreger-Faktor

Pro: Kultsendung mit Musik aus alle Herrne Länder
Kontra: Abstimmungssystem fraglich

…Letztlich war es mal wieder soweit. Es war Song Contest-Time! Ich bekenne mich als Fan dieser Kult-Veranstaltung und bin seit einigen Jahren, genauer gesagt seit dem Hype um Guildo Horn, regelässig mit dabei. Meine Eltern hingegen sind noch Fans aus fast allererster Stunde – sie haben noch eigene Erinnerungen aus den Sendungen der sechziger Jahre!

Bereits im Jahr 1956, kurz nach dem Mittelalter 😉 begann die Erfolgsgeschichte, initiert von der Eurovision.

Was ist die Eurovision?

Das Eurovision-Netzwerk ist eine 1954 in Genf gegründete Einrichtung der Union der Europäischen Rundfunkorganisationen (European Broadcasting Union, EBU) zum Austausch von Fernseh- und Rundfunkprogrammen. Zur EBU gehören inzwischen 74 TV- und Radiosender in 54 Staaten Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie 61 assoziierte TV- und Radiosender in 28…

…weiteren Staaten Europas, Amerikas, Afrikas, Asiens und Ozeaniens. Für Deutschland gehören ARD und ZDF zu diesem Verbund.
Über die EBU wird ein eigener Satellitenkanal zum Bilderaustausch von Nachrichten betrieben (EVN = Eurovision News). Über dieses Netzwerk stellen die Eurovisionssender gegenseitig eigenes Material zur Verfügung.
Übertragungen im Rahmen der Eurovision wurden mit dem Eurovisionslogo und dem Beginn des Te Deums von Marc-Antoine Charpentier („Eurovisionshymne“) als Erkennungsmelodie eingeleitet. Die hat bestimmt schon jeder von euch gehört, oder?
Bekannte Sendungen, die im Rahmen der Eurovision übertragen wurden, sind neben Sportveranstaltungen auch Unterhaltungssendungen wie z.B. Wetten dass…, Verstehen Sie Spaß? oder auch der päpstliche Ostersegen. Und im Rahmen dieses Netzwerks findet auch alljährlich der Eurovision Song Contest statt, um den es hier geht.

Der Eurovison Song Contest:

Es handelt sich um einen internationalen Musikwettbewerb, der seit dem Jahr 1956 ununterbrochen jährlich im Frühling durchgeführt und im TV übertragen wird. Die anfängliche Bezeichnung lautete Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne, kurz Grand Prix. Dieser Name wurde im Laufe der Jahre ins englische „Eurovision Song Contest“ verändert.

Die Mitglieder der Eurovision hatten eine Veranstaltung nach dem italienischen Vorbild „San-Remo-Festival“ im Blick. Alle Mitgliedsländer konnten einen Titel ins Rennen schicken und von den anderen Mitgliedsländern bewerten lassen um einen Sieger zu küren.

Wie entscheidet ein Land, welches Lied in den Wettbewerb gesandt wird?

Jedem Land steht es frei, wie es seinen Vertreter für den Eurovision Song Contest ermittelt. Häufig geschieht dieses in Form von nationalen Vorentscheiden, bei denen mehrere Künstler gegeneinander antreten. Alternativ hat es aber auch schon Lieder gegeben, die ohne nationalen Wettbewerb als Beitrag deklariert wurden, oder es wurde in manchen Ländern ein Künstler „ausgeguckt“, für den dann verschiedene Titel komponiert wurden, die dann zur Wahl standen.
Während früher meist eine Jury den Teilnehmer wählte geschieht dies heute in der Regel per Televoting.
Der deutsche Vorentscheid hieß lange Zeit „Ein Lied für…“ (ergänzt durch die jeweilige Stadt, in der der Song Contest im betreffenden Jahr stattfand). 2004 und 2005 trug er den Titel „Germany 12 Points!. In vielen Jahren traten ca. 10-12 Künstler/Gruppen gegeneinander an, darunter wenige bekannte Künstler, mehr nachwuchs-Sternchen oder Klamauk-Stars wie Guildo Horn und Stefan Raab. Sogar Mooshammer hat schon mal sein Glück beim Song Contest versucht, allerdings eher erfolglos.
Im Jahr 2006 setzte man auf einen eher seriöseren Titel: Deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2006. Nachdem die Sängerin Gracia mit „Run & Hide“ im Vorjahr den letzten (!) Platz belegte, wurde das Konzept des Vorentscheids umgestellt, weg von erprobter Chartmusik, hin zu anerkannten Künstlern (2006: Vicky Leandros, Thomas Anders und Texas Lightning (Sieger)). Im Jahr 2007 traten Heinz-Rudolf Kunze, die Gruppe Monrose und der spätere Sieger Roger Cicero gegeneinander an.

Regeln für die Lieder und die Vorträge:

Was heute eher unbekannt ist: Es handelt sich um einen Lieder- nicht um einen Sängerwettbewerb. Dennoch ist inzwischen unbestritten, dass Darbietungen mit guten oder auffälligen Choreographien besser bewertet werden als andere, was sicherlich mit dem Auffall-Faktor an einem langen Abend mit so vielen Liedern zu tun hat.

Grundsätzlich müssen die Lieder „neu“ sein, d.h. sie dürfen nicht vor einem bestimmten Datum in den Handel gelangen oder öffentlich aufgeführt werden. Daneben dürfen sie nicht allzu sehr an früher veröffentlichte Lieder angelehnt sein (Plagiate). Verstöße werden mit Ausschluss vom Wettbewerb geahndet.

Die Lieder durften lange Zeit nur in der jeweiligen Landessprache gesungen werden, doch diese Regel wurde inzwischen gecancelt, um Beiträgen aus Ländern mit weniger wohlklingenden Sprachen eine größere Chance zu geben. Der Gesang erfolgt immer live, wobei die Musik vom „Band“ kommt. Früher wurde auch die Musik live von einem Orchester gespielt und von unterschiedlichen, von den Teilnehmerländern gesandten Dirigenten (meist der Komponist des Liedes) dirigiert.

Der Vortag erfolgt in ausgeloster Reihenfolge und darf eine Länge von 3 Minuten nicht überschreiten – auch wenn das Lied eigentlich (also auf CD) länger ist. Es dürfen maximal 6 Personen im Alter ab 16 Jahren (Sänger, Chor, Tänzer, sonstige) auf der Bühne stehen, jedoch keine (!) Tiere – wie schade!!!. Während früher meist ein(e) Sänger(in) oder auch eine Gruppe das Lied einfach vortrug tritt man heute gern mit Tänzern, Bändern, Trickkleid o.ä. auf – Geschmackssache!!!

Oft sind die Lieder landestypisch angehaucht, z.B. mit irischen, skandinavischen oder orientalischen Weisen (und Tänzen). Heute geschieht dieses insbesondere bei den östlichen Länden.

Das Halbfinale und das Finale:

Früher gab es nur eine Sendung – das heutige Finale – welches sich oft über den gesamten Samstag Abend zog (und bei der ich als Kind regelmäßig eingepennt bin, so sagte man mir). Mit zunehmender Teilnehmerzahl, nicht zuletzt aufgrund der Splittung von Ostblockstaaten wäre die Show an nur einem Abend nicht mehr realisierbar gewesen. Daher dürfen im Finale immer nur die vier „großen“ Länder teilnehmen (diese tragen den Löwenanteil der Kosten) und daneben die Länder mit den zehn besten Platzierungen des Vorjahres. Weitere zehn Lieder können sich in zwei Halbfinals, welche in der Vorwoche stattfinden, fürs Finale am Samstag qualifizieren. Somit hat man im Finale die Wahl aus insgesamt 24 Titeln.

Welches Lied gewinnt?

Sowohl im Halbfinale als auch im Finale gilt: nach allen Vorträgen erfolgt eine Wertung durch alle teilnehmenden Länder in einer zuvor festgelegten Reihenfolge. Auch hier hat der Zahn der Zeit das alte Juryverfahren durch Televoting abgelöst.

Der Anrufer kann für das Lied seiner Wahl, natürlich nicht für das aus dem eigenen Land, anrufen. Die Anzahl der Anrufe ergibt die Punktevergabe der einzelnen Länder. Für den Titel mit den meisten Anrufen vergibt das Land 12 Punkte, für den danach platzierten gibt es 10 Punkte, dann 8,7,6,5,4,3,2,1. Alle anderen Lieder erhalten keine Punkte. Spätestens am Ende ist dann klar, wer in diesem Jahr gewonnen hat. Ein durchaus seriös und gerecht erscheinendes Verfahren, das jedoch in den letzten Jahren vermehrt zum Aufreger mutierte. Hierzu gleich noch mehr.

Übrigens: Das Land mit dem Siegerlied darf im Folgejahr den Wettbewerb austragen. Dieses Großereignis ist auch von kleineren Ländern in den letzten Jahren immer gern organisiert worden. Früher, damit meine ich in den 70-er Jahren, ist es gelegentlich wegen finanziellen Schwierigkeiten kleinerer Länder dazu gekommen, dass die Veranstaltungen in anderen Ländern stattgefunden haben. Hilfreich ist sicher auch die inzwischen veränderte Umverteilung der Kosten sowie heutzutage übliche Unterbringung von einnahmeträchtiger Werbung.

Gewinner in der Vergangenheit:
1956 Schweiz Refrain Lys Assia
1957 Niederlande Net als toen Corry Brokken
1958 Frankreich Dors mon amour André Claveau
1959 Niederlande Een beetje Teddy Scholten
1960 Frankreich Tom Pillibi Jacqueline Boyer
1961 Luxemburg Nous les amoureux Jean-Claude
1962 Frankreich Un premier amour Isabelle Aubret
1963 Dänemark Dansevise Grethe &
1964 Italien Non ho l’età Gigliola Cinquetti
1965 Luxemburg Poupée de cire, poupée de son
1966 Merci Chérie Udo Jürgens
1967 Großbritannien Puppet On A String Sandie Shaw
1968 Spanien La, la, la … Massiel 2. Congratulations, Großbritannien 3. La source, Frankreich
1969 SpanienFrankreichNiederlandeGroßbritannien Vivo cantandoUn jour, un enfantDe troubadourBoom bang a bang SaloméFrida BoccaraLenny KuhrLulu ( vier Erstplatzierte)
1970 Irland All Kinds Of Everything Dana
1971 Monaco Un banc, un arbre, une rue Séverine
1972 Luxemburg Après toi Vicky Leandros
1973 Luxemburg Tu te reconnaîtras Anne-Marie David
1974 Schweden Waterloo ABBA
1975 Niederlande Ding-a-dong
1976 Großbritannien Save Your Kisses For Me Brotherhood of Man
1977 Frankreich L’oiseau et l’enfant Marie Myriam
1978 Israel A-Ba-Ni-Bi Yizhar Cohen & Alpha Beta
1979 Israel Hallelujah Gali Atari & Milk and Honey
1980 Irland What’s Another Year Johnny Logan
1981 Großbritannien Making Your Mind Up Bucks Fizz
1982 Deutschland Ein bißchen Frieden Nicole
1983 Luxemburg Si la vie est cadeau Corinne Hermès
1984 Schweden Diggi-loo diggi-ley Herreys
1985 Norwegen La det swinge Bobbysocks
1986 Belgien J’aime la vie Sandra Kim
1987 Irland Hold Me Now Johnny Logan
1988 Schweiz Ne partez pas sans moi Céline Dion
1989 Jugoslawien heute Kroatien Rock Me Riva
1990 Italien Insieme 1992 Toto Cutugno
1991 Schweden Fångad av en stormvind Carola
1992 Irland Why Me Linda Martin
1993 Irland In your eyes Niamh Kavanagh
1994 Irland Rock’n Roll kids Paul Harrington / Charlie McGettigan
1995 Norwegen Nocturne Secret Garden
1996 Irland The Voice Eimear Quinn
1997 Großbritannien Love shine a light Katrina and the Waves
1998 Israel Diva Dana International
1999 Schweden Take Me To Your Heaven Charlotte Nilsson
2000 Dänemark Fly On The Wings Of Love Olsen Brothers
2001 Estland Everybody Tanel Padar & Dave Benton
2002 Lettland I Wanna Marie N
2003 Türkei Everyway That I Can Sertab Erener
2004 Ukraine Wild Dances Ruslana
2005 Griechenland My Number One Helena Paparizou
2006 Finnland Hard Rock Hallelujah Lordi
2007 Serbien Molitva Marija Šerifović

Den größten Bekanntheitsgrad, oder sagen wir besten Start ins internationale Musikgeschäft haben sicherlich ABBA 1974 durch den Grand Prix/Song Contest erreicht. Zwar wurden aus den Siegerliedern und auch den nachrangig platzierten Titeln hin und wieder Hits – insbesondere in den 70-er Jahren – doch ist ein Erfolg wie der von ABBA nicht mehr wiederholt worden. Dennoch ist für einen Künstler ein gutes Abschneiden im Song Contest auch heute noch ein Gütesiegel und bleibt zumindest national im Gedächtnis.

Deutschland hat übrigens erst ein einziges mal gewonnen, nämlich 1982 mit Nicole und dem Lied „Ein bisschen Frieden“. Allerdings gab es schon oft zweite und dritte Plätze. Bisher nahm Deutschland in jedem Jahr teil, konnte sich jedoch im Jahr 1996 nicht für das Finale qualifizieren (damals waren die Regeln noch leicht anders).

Der wohl aktivste Komponist deutscher Beiträge ist Ralf Siegel. Er stellte bereits etliche Beiträge für Deutschland, aber in letzten Jahren auch für Länder wie die Schweiz oder Malta. Auf internationale Seite ist sicherlich Jonny Logan als sehr aktiv zu nennen; er hat als Sänger bereits zwei Finals gewonnen sowie einmal als Komponist. Alle Achtung!!!

Und warum regt sich die Fan-Gemeinde inzwischen über den Song Contest auf?

Man sollte ja denken, das bei Veranstaltungen, die bereits Jahrzehnte laufen, alles gut geregelt abläuft. Leider gibt es beim Song Contest trotzdem immer mal wieder Aufregungen. In den letzten Jahren kam es durch die Aufsplittungs von Staaten wie Jugoslawien oder die UdSSR dazu, dass nun viele Länder gleichen Ursprungs das Ergebnis zugunsten dieser „Ostländer“ beeinflussen. Hierbei sollte man sicherlich keine böse Absicht unterstellen sondern sollte sich vor Augen halten, dass gemeinsame Herkunft oft auch gemeinsamer Musikgeschmack bedeutet. Sehr wahrscheinlich würden z.B. Menschen aus diversen deutschen Bundesländern oder Regionen auch ähnlich voten, könnten sie einzeln abstimmen. Dennoch ist zurzeit ganz Westeuropa „not amused“, da sie z.T. im Halbfinale ausgeschieden sind bzw. mangels erhaltener Punkte auf den letzten Plätzen verbannt wurden. Das sich dort in den letzten Jahren auch regelmäßig der deutsche Beitrag wiederfindet ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass „unsere“ Lieder schlecht waren, nein – ganz ehrlich – uns kann halt kaum einer leiden (pers. Erkenntnis). ***heul***

Fraglich ist, ob auch künftig die Punkte aus den Miniländern tatsächlich gleichschwer wiegen sollten wie die Punkte aus großen Ländern mit vielen Anrufern. Eine Umstellung ist scheinbar angedacht, lassen wir uns überraschen.

Hier möchte ich meinen Bericht enden lassen, wohlweislich, dass das Thema längst nicht allumfassend betrachtet wurde. Es gibt noch so viel zu erzählen … ach, wir brauchten Tage, Nächte, Wochen! Wer noch mehr wissen möchte oder seine eigenen Erinnerungen auffrischen möchte sollte sich unbedingt mal diese Internet-Seite ansehen:

http://www.ndrtv.de/grandprix/

Hier findet mal so ziemlich alles, was man schon immer mal wissen oder auch nicht wissen wollte. Man kann sich sogar für einen newsletter anmelden, um immer informiert zu bleiben. Unverzichtbar für echte Fans.

Fazit:

Die Sendung ist Kult, bestimmt nicht besonders gut oder lebenswichtig. Aber für einen Fan ist sie – in Verbindung mit Vorentscheid und evtl. Halbfinale – ein echtes Highlight des Jahres. Ich selbst sehe sie immer mit mehreren Freunden, und es wird regelmäßig viel kommentiert und gefrozelt. macht Spaß!

Ich freu mich schon auf eure Kommentare und wünsche mir, dass ihr mir mal eure Lieblingssongs vom Song Contest verratet. Lasst uns doch in Gedanken mal eines der Lieder anstimmen und danach laut rufen: GERMANY 12 POINTS!!!

Fazit: Diese Kultsendung lasse ich mir nicht entgehen

Erfahrungsbericht von Bredelar 28. Mai 2007 bei ciao.de

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